Arbeitswelt

Inklusion zum Testen - Schnuppertage für beeinträchtigte Menschen

Betriebe können Menschen mit Beeinträchtigung in ihrem Unternehmen schnuppern lassen. Was Inklusion bringt und welche Rolle Lehrlinge spielen könnten.

Wenn nicht alle gleich sind, kann das den Zusammenhalt im Team und den Profit eines Betriebs steigern.  SN/shutterstock/m–kaempfer
Wenn nicht alle gleich sind, kann das den Zusammenhalt im Team und den Profit eines Betriebs steigern.

In der IT ist der Mann bestens. Das konnte ein Salzburger IT-Unternehmen feststellen, als der junge Autist kürzlich drei Tage zum "Schnuppern" ins Haus gekommen ist. Vielleicht stellt man ihn fix ein. Auf dem ersten Arbeitsmarkt hätte der Salzburger keine Chancen. Als Autist tut er sich schwer im Umgang mit anderen Menschen. Er braucht sehr fixe Strukturen. Das IT-Unternehmen hat sich während der Schnuppertage durch eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe Salzburg informieren lassen. Maria Bogensperger hat den Firmenchef in ihm unbekanntes Terrain geführt: "Er hat uns gesagt, er habe noch nie darüber nachgedacht, einen Mitarbeiter mit Beeinträchtigung einzustellen."

Getraut haben sich kürzlich auch ein Kindergarten und ein Landwirtschaftsbetrieb im Salzburger Land. Zu ihnen kam Soziologin Bogensperger mit weiteren Frauen und Männern, die Arbeit suchen. Es war ein erstes Kennenlernen und Abklopfen, ob die jungen Leute und die Arbeitgeber miteinander arbeiten könnten. Zugleich erfuhren diese und weitere Betriebe Wissenswertes über die Einstellung beeinträchtigter Menschen.

Betriebe können sich noch für Schnuppertage anmelden

Noch bis Ende Oktober können sich Salzburger Betriebe dafür anmelden, einen jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigung im Betrieb schnuppern zu lassen. Er oder sie kommt in Begleitung Bogenspergers drei Tage lang zum Kennenlernen ins Haus. Die Soziologin hat das Inklusionsprojekt "Bettertogether - Inklusive Beratung", das die Grundlage dafür bildet, 2018 im Rahmen ihrer Selbstständigkeit gegründet. Das von der Wirtschaftsabteilung des Landes geförderte Projekt soll Unternehmer für Inklusion gewinnen. Die positiven Aspekte seien enorm, betont Bogensperger: "CSR-basierte Inklusion steigert den wirtschaftlichen Erfolg und die Attraktivität als Arbeitgeber. Sie bringt Marketingvorteile, weil man ein positives Image aufbaut, indem man soziale Verantwortung übernimmt." Bogenspergers Kollegin in dem Projekt, Karin Katstaller, betont die positive Stimmung in inklusiven Teams: "Es herrscht eine ganz andere Stimmung, weil ich auf jemanden Rücksicht nehmen muss. Es kommt heraus, dass jeder anders ist und Stärken und Schwächen hat, die er oder sie nicht verstecken muss."

Ausprobieren überzeugt

Ein Unternehmer aus der Salzburger Werbebranche bestätigt aus eigener Erfahrung: "Die Vorteile überwiegen. Wir haben ganz bewusst Menschen mit besonderen Bedürfnissen beruflich bei uns integriert. Behinderung wird zu oft mit geistigen und intellektuellen Einschränkungen assoziiert." Die Annahme sei falsch, so der Unternehmer. Technische Möglichkeiten und Hilfsmittel machten die Arbeit für Menschen mit einer Behinderung in vielen Berufssparten möglich.

Die Vorteile von Inklusion werden in Österreich noch immer kaum beachtet. Die meisten Unternehmer scheuen sich vor dem Thema. In den vielen Salzburger Kleinbetrieben finde man das Thema wichtig, sehe sich aber für einen Versuch von Inklusion noch nicht bereit, schildern die Projektbetreiberinnen. Jene Unternehmen, die wegen ihrer Größe Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigen müssten, zahlen stattdessen meistens eine Pönale an den Staat. Dass Betriebe mit Inklusion wenig anzufangen wissen, bestätigte das Inklusionsprojekt. "Anfangs sollten Betriebe, die Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigen, Beratung bekommen. Es gab fast null Resonanz, weil es kaum solche Betriebe gibt", schildert Katstaller. Die Berufsschullehrerin im Bereich Medien hat daraufhin das Thema in die Berufsschulen gebracht. Neben 50 Lehrlingen zum/-r Medienfachmann/-frau nahmen an den Workshops rund 250 weitere Lehrlinge aus verschiedenen Branchen teil. Grundlage dafür bot das Fach Allgemeine Wirtschaftslehre, in dem Corporate Social Responsibility (CSR) erläutert wird. Die Lehrerin zeigt sich beeindruckt von dem großen Interesse der Lehrlinge. Viele hätten davor in ihrer Arbeit mit dem Thema noch gar nichts zu tun gehabt. Lehrling Lucas Hosp ist einer, bei dem die Botschaft eingeschlagen hat. Er sagt: "Ich werde in meinem Umfeld versuchen, die Menschen von Inklusion zu überzeugen." Die Schüler haben zahlreiche Ideen entwickelt, wie man mehr Menschen mit Beeinträchtigung im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen lassen könnte. Ihre Versuche, dass sich Betriebe damit auseinandersetzen, blieben erfolglos. Doch die jungen Leute gäben mit ihrer Aufgeschlossenheit Anlass zur Hoffnung. Katstaller: "Sie sind die Arbeitgeber von morgen. Wenn Inklusion in den alten Wirtschaftsstrukturen kaum gelebt wird, handeln hoffentlich die jetzigen jungen Leute anders, wenn sie in die Position dafür kommen."

Kontakt für Unternehmen:
Schnuppertage sind bis Ende Oktober möglich. Informationen und Anmeldung unter:
better-together.work

Quelle: SN

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