Arbeitswelt

Hier ist ein kühles, grünes Köpfchen gefragt

Daniel Armstorfer absolviert in Golling die Lehre zum Kälte- und Klimatechniker. Ein "Green Job" mit viel Zukunftspotenzial.

Daniel Armstorfer ist einer von 29 Lehrlingen seiner Branche im Bundesland. Es könnten mehr sein, aber der Beruf ist wenig bekannt. SN/schnabler
Daniel Armstorfer ist einer von 29 Lehrlingen seiner Branche im Bundesland. Es könnten mehr sein, aber der Beruf ist wenig bekannt.

Wenn man Daniel Armstorfer in der Arbeit treffen will, dann muss man früh aufstehen - oder ihn bei Dienstschluss in der Firma abpassen. Dazwischen ist er unterwegs. Daniel fährt von einem Kunden zum nächsten, versetzt etwa Klimaleitungen auf Baustellen, montiert Klimageräte in Hotels oder wartet und repariert Kühlgeräte in der Gastronomie. Es ist genau diese Abwechslung, die dem 18-Jährigen so großen Spaß macht. Daniel absolviert die Lehre zum Kälte- und Klimaanlagentechniker bei der Firma Hasenbichler und ist mitten im dritten Lehrjahr. Durch seinen Vater, der selbst in der Gastro tätig ist, kam Daniel auf die Idee, sich zu bewerben. Nach einem Schnuppertag war die Entscheidung schnell getroffen. "Bei mir ist kein Tag wie der andere und genau das liebe ich an meinem Beruf. Ich habe viel mit verschiedenen Menschen zu tun und es wird nie eintönig."

Ins kalte Wasser

Um 7 Uhr beginnt Daniels Tag. Wenn er von seinem Wohnort in Puch bei Hallein in die Firma nach Golling kommt, verschafft er sich zunächst einen Überblick. Sein erster Ansprechpartner ist der Serviceleiter. Er ist wie ein Fluglotse und teilt Listen mit Aufträgen an Daniel und seine fünfzehn Kollegen aus. So weiß jeder, was es wo zu erledigen gilt. Und dann geht es schon los. Daniel kontaktiert den ersten Kunden und lässt ihn wissen, dass er bald eintreffen wird. "Schüchtern sollte man nicht sein in diesem Job, aber das bin ich zum Glück nicht", sagt er und lacht, "als ich das erste Mal allein mit einem Bauleiter alles ausgemacht habe, war ich natürlich schon etwas nervös." Dass Daniel seinen Tag selbstständig organisiert, ist erst seit April so. Davor war er im Team unterwegs. "Da muss man die jungen Leute auch ein bisschen ins kalte Wasser springen lassen", sagt Geschäftsführer Robert Hasenbichler. "Daniel macht das sehr gut, er hat Freude und zeigt Ehrgeiz. Unsere Kunden rufen sogar extra an, um ihn zu loben."

Boomende Branche, zu wenige Lehrlinge

Fürs selbstständige Organisieren seines Tages erhält Daniel eine Prämie. Überhaupt werden besondere Leistungen, auch in der Berufsschule, bei Hasenbichler zusätzlich belohnt. Als weiteres Zuckerl schießt der Betrieb auch noch etwas fürs Fitnessstudio zu. Trotzdem sei es nicht leicht, junge Menschen für den Lehrberuf des Kälte- und Klimaanlagentechnikers zu gewinnen. Hauptgrund sei, dass kaum jemand den Beruf kenne und daher auch kaum jemand wisse, was dieser zu bieten habe, so der Chef. Dabei nutze jeder von uns täglich ein Produkt aus der Klima- oder Kältetechnik, "sei es beim Mittagsbuffet, wenn man den Pudding aus der Kühlvitrine holt, oder im Serverraum, der ohne Kühlung schnell überhitzen würde". Seit 1978 ist Hasenbichler Spezialist für Kühl- und Klimatechnik und beliefert damit Industrie und Gastronomie. Rund 40 Mitarbeitende arbeiten am Standort in Golling.

Die Anforderungen an die Branche hätten sich mit der Klimakrise verändert, die Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen steige aktuell stark. Doch schon vorher habe die rasante Entwicklung der Technologie den Takt bestimmt. "Unsere Geräte halten schon 40 Jahre, was einerseits sehr nachhaltig ist", erklärt Hasenbichler, "aber gleichzeitig ist das auch ein Problem. Kühltechnik aus den 80er-Jahren, das sind ja heute die reinsten Energiefresser." Hasenbichler findet auch im eigenen Betrieb immer Wege, um Ressourcen optimal zu nutzen. Deshalb läuft auf dem Dach seit 2016 eine Photovoltaikanlage. Erst heuer hat Hasenbichler die Kapazität verdoppelt. Zudem wird nicht mehr mit Öl, sondern mit einer Wärmepumpe geheizt. "Wir decken damit mehr als 50 Prozent unseres Energiebedarfs selbst", so Hasenbichler. Möglichen Energieengpässen oder einer Preiserhöhung sieht er deshalb gelassen entgegen.

Beruf mit sichtbaren Erfolgserlebnissen

Neben selbstbewusstem Auftreten sind in diesem Beruf auch technisches Verständnis und handwerkliches Geschick gefragt. Einmal, erzählt Daniel Armstorfer, sollte er in einem Tiefkühlhaus eine Reparatur durchführen, "bei minus 18 Grad ist es doch besser, wenn jeder Handgriff sofort sitzt". Überhaupt werkt der Jugendliche am liebsten im laufenden Betrieb, zum Beispiel in Hotels, die gerade saniert werden. "Mir gefällt, dass ich sichtbare Erfolgserlebnisse habe, zum Beispiel, wenn ein Gerät erfolgreich installiert wurde und es sofort läuft."

Seit 1978 ist Hasenbichler Spezialist für Kühl- und Klimatechnik. Am Standort Golling arbeiten rund 40 Beschäftigte. SN/lorenz masser
Seit 1978 ist Hasenbichler Spezialist für Kühl- und Klimatechnik. Am Standort Golling arbeiten rund 40 Beschäftigte.

Das Sammeln von Erfahrungen in der betrieblichen Praxis ist ein wichtiger Teil seiner Ausbildung. Insgesamt dauert sie dreieinhalb Jahre. Sieben Monate pro Jahr verbringt Daniel im Betrieb, der Rest teilt sich auf Urlaub und Berufsschultage auf. Für die Berufsschule fährt er nach Amstetten. In Österreich erlernen laut Wirtschaftskammer gerade 442 Personen den Beruf des Kälte- und Klimaanlagentechnikers, in Salzburg sind es 29. Daniel findet vor allem die vielen verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten nach Lehrabschluss reizvoll.

Drei von vier Jugendlichen wollen einen "Green Job"

Wenn Daniels Arbeitstag gegen 16 Uhr endet, trifft er sich mit Freunden oder erkundet die Gegend mit seinem Mountainbike. Großteils sind es Burschen, die sich für den Lehrberuf des Kälte- und Klimaanlagentechnikers interessieren. Österreichweit sind nur 20 Frauen auf dem Weg zur Kälte- und Klimaanlagentechnikerin, in Salzburg ist es keine einzige. Bei Hasenbichler wurde allerdings schon einmal eine junge Frau ausgebildet.

Durch die Energie- und Klimakrise boomt die Branche.  SN/lorenz masser
Durch die Energie- und Klimakrise boomt die Branche.

Viele junge Menschen fühlen sich derzeit von "Green Jobs" angezogen, also Tätigkeiten, die etwas zum Umweltschutz oder zum Thema Nachhaltigkeit beitragen. Das zeigt eine Umfrage, die jüngst von der Wirtschaftskammer in Auftrag gegeben wurde: 75 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler aus der neunten Schulstufe seien an Jobs mit Umweltfokus interessiert. 58 Prozent würden eine grüne Lehrstelle annehmen. Bei vielen Lehrberufen liege das grüne Potenzial auf der Hand, so auch beim Kälte- und Klimatechniker, erst recht, seit Energie teurer und auch knapper geworden ist. "Früher hat Energie nichts gekostet, da hat sich kaum jemand Gedanken gemacht. Für den Metzger oder die Bäckerei kann die aktuelle Preisentwicklung existenzbedrohend sein", sagt Hasenbichler, der den Familienbetrieb nun in zweiter Generation führt. Jetzt sei das anders, Energiethemen würden bewusster angegangen. Deshalb sei es bei Hasenbichler wichtig, ganzheitlich zu beraten und Konzepte zu liefern, damit Energie effizient genutzt und im Kreislauf gehalten werden könne. Wo gekühlt werde, da entstehe ja auch Wärme: "Wir kanalisieren zum Beispiel die Abwärme, die im Kühlraum einer Hotelgroßküche entsteht, und heizen damit das Schwimmbad."

"Wir freuen uns sowohl auf Bewerber als auch Bewerberinnen, die Lust haben, beim Thema Klima und Energie etwas zu bewegen", so Hasenbichler. Dazu brauche es oft nur kleine Veränderungen. Räume müssen etwa nicht auf 21 Grad runtergekühlt werden, weiß der Experte: "Was wir als unangenehm empfinden, ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Mit 25 Grad Raumtemperatur und weniger feuchter Luft fühlt man sich genauso wohl."
Aktuell möchte Hasenbichler pro Jahr zwei Lehrlinge in der Kälte- und Klimatechnik ausbilden, weitere acht Stellen sind in der Produktion und im Lager, in der Montage oder in der Planung und Konstruktion zu besetzen.

 
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