Arbeitswelt

Gemeinden suchen Profis für Führungspositionen

Führungsjobs im Gemeindeamt werden zunehmend anspruchsvoller. Verstaubtes Image und interne Besetzungen schreckten bisher oft Talente ab. Das soll sich jetzt ändern.

Eine Landgemeinde wie Bergheim (Bild) zu verwalten ist heute ein Managerjob.  SN/herbert podlipnik
Eine Landgemeinde wie Bergheim (Bild) zu verwalten ist heute ein Managerjob.

Gemeindeamtsleiter werden? Diese Frage stellen sich viele qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber überhaupt nicht. Sie sehen diesen Job als trockene, "verstaubte" Verwaltungstätigkeit. So ging es auch Theresa Höhener. "Ich konnte mir nichts darunter vorstellen und als Akademiker kreist man ja oft nur in seinem eigenen Umfeld", so die Wienerin. Ein für eine Gemeinde sehr professionelles Amtsleitungs-Stelleninserat in den "Salzburger Nachrichten" machte die Juristin und Pianistin 2020 neugierig.

Mehr Arbeitszufriedenheit im Dienst für die Gemeinde

Die Juristin setzte sich gegen 50 weitere Interessierte durch. Bergheim bekam mit ihr einen Profi in rechtlichen und finanziellen Dingen. Theresa Höhener arbeitete zuletzt in einer hohen Führungsposition in der Oesterreichischen Nationalbank, davor im Innenministerium, in Unternehmensberatungen und im universitären Bereich.

Die Akademikerin bekommt zwar spürbar weniger Geld als in ihrem letzten Job, dafür aber viel mehr Arbeitszufriedenheit, wie sie sagt: "Früher habe ich mich mit abstrakten Theorien beschäftigt, heute mit den Fragen und Problemen der Menschen in der Gemeinde. Ich habe bewusst einen Job mit mehr Unmittelbarkeit gesucht. Er gefällt mir unglaublich gut und bringt mir Glücksmomente." Immer wieder stehe auf ihrem Schreibtisch ein selbst gebackener Kuchen oder ein kleiner Blumenstrauß von Bergheimerinnen und Bergheimern, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind.

Amtsleitung: Kritikfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Personalarbeit

In der ersten Reihe zu stehen bringt einer Amtsleiterin natürlich auch Kritik ein. Theresa Höhener sucht dann das direkte Gespräch: "Wichtig sind dann gute, sachliche Argumente. Und die habe ich durch meine Ausbildung und Erfahrung ja." Wirtschaftlich zu arbeiten sei in einer Gemeinde zentral, so die Amtsleiterin: "Wir haben mehr als 160 Mitarbeitende und ein großes Budget, acht Kindereinrichtungen und mehr als 60 Vereine. Jeden Tag heißt es: ,Dürfen wir das?' oder ,Wie machen wir jenes?'. Zur Verwaltung kommt viel Personalarbeit, es menschelt in diesem Job." Theresa Höhener geht in ihrer Tätigkeit auf.

Bild: SN/andreas gierlinger
Ich habe bewusst einen Job mit Unmittelbarkeit gesucht.
Theresa Höhener, Amtsleiterin Bergheim

Um externe Akademikerinnen und Akademiker zu gewinnen, sollten mehr Gemeinden professionelle Ausschreibungen machen, plädiert sie: "Da es ein objektiviertes Auswahlverfahren samt Personalberater gab, der die Bewerber gründlich abklopfte und mir die Perspektiven dieser Stelle aufzeigte, habe ich mich überhaupt erst beworben", sagt Theresa Höhener. Auch finde sie im Bürgermeister, Rechtsanwalt Robert Bukovc (ÖVP), einen kompetenten Ansprechpartner.

Beispiele wie Theresa Höhener sind noch selten. Sie sollen künftig mehr werden. Die Bergheimer Berater Alfred Lugstein und Clemens Jager wollen versierte Akademiker und Gemeinden zusammenbringen. "Viele glauben, dass so wie früher Gemeindejobs intern vergeben werden. Außerdem stellt sich noch fast keine Gemeinde professionell als Arbeitgebermarke dar und zeigt, was sie zu bieten hat", sagt Alfred Lugstein. Im Stelleninserat müsse der Gestaltungsspielraum einer Amtsleitungsstelle deutlich gemacht werden, denn der sei zugleich mit den Anforderungen gestiegen: "Amtsleiter müssen heute Management- und Leadership-Skills, wie sie auch in der Privatwirtschaft gefordert werden, im kleinen Finger haben", so Lugstein. Der Fachverband der Tiroler Führungskräfte für Gemeindewesen spricht von "serviceorientierten Gemeindemanagerinnen und -managern, die die Geschicke der Gemeinde qualifiziert managen und leiten".

Hilfe für Gemeinden bei der Personalsuche

Wie zieht man nun solcherart qualifizierte Menschen an Land, fragen sich Bürgermeisterinnen und -meister in so mancher Salzburger Region. Hier bringen sich Lugstein, der jahrelang Recruiter in der Versicherungswirtschaft war und Clemens Jager (Jager PR) ins Spiel. Die beiden waren früher bzw. sind derzeit als Gemeindevertreter (Grüne, ÖVP) aktiv und betreuen seit knapp zwei Jahren gezielt Gemeinden bei der Personalsuche und einer neuen Gemeinde(Arbeits)kultur (Link: gemeindestube.at).

Qualifikation statt Parteibuch

Seit der Bergheimer Amtsleitersuche, die Lugstein durchgeführt hat, haben bereits einige weitere Bürgermeister den Personalberater beauftragt. Auch sie suchten gezielt mit objektivierten Auswahlverfahren nach idealen Bewerberinnen und Bewerbern für ihre Amtsleitung und auch andere Führungspositionen. Dem Beispiel sind bis jetzt Hof, Lamprechtshausen und Koppl gefolgt, wobei auch interne Kandidaten zum Zug kamen, sofern sie sich tatsächlich gegenüber externen als besser geeignet erwiesen. Letztlich entscheidet die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister - im Einvernehmen mit dem Gemeindevorstand. Berater Alfred Lugstein stellt fest: "Bürgermeisterinnen und Bürgermeister erkennen zunehmend, dass alle davon profitieren, wenn maßgebliche Stellen nicht nach Parteibuch, sondern nach Qualifikation besetzt werden."

"Wir schrieben mangels interner Bewerber die Amtsleiterstelle aus. Beworben haben sich dann sogar 36 Personen und darunter viele sehr gute", berichtet Koppls Bürgermeister Rupert Reischl (ÖVP). Die Begleitung durch den Personalberater habe eine objektive Entscheidung garantiert. Dass die Wahl auf die aus dem Lungau stammende Juristin Franziska Wirnsperger fiel, ist für ihn wegen deren Fachkompetenz bedeutend. Die Leitung einer Gemeinde werde juristisch immer komplexer. Schlüsselpositionen wolle er auch künftig wieder ausschreiben und mit Hilfe eines Personalberater besetzen.

Führungskräfte für Salzburger Gemeinden werden immer wieder gesucht. In den nächsten Monaten sollen wieder Amtsleitungsstellen ausgeschrieben werden.

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