Arbeitswelt

Für jeden eine Lehrstelle

Junge Menschen helfen Jugendlichen dabei, einen Ausbildungsplatz zu finden. Verein startet mit Mentoringprogramm, das für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem sorgen will.

Tarik Mete war als Speaker zu Gast.  SN/vanessa eberle
Tarik Mete war als Speaker zu Gast.

"Hallo liebe Mentees, mein Name ist Philipp. Ich bin 29 Jahre alt, komme ursprünglich aus Oberösterreich, wohne aber seit sieben oder acht Jahren in Salzburg", sagt ein junger Mann mit Mütze in seine Handykamera. Er ist gerade draußen unterwegs, im Hintergrund des kurzen Videos sind Wiese und Sträucher zu sehen. Philipp Bruckenberger möchte als Mentor Jugendliche dabei unterstützen, eine Lehrstelle zu finden oder eine weiterführende Schule zu besuchen. Er selbst hat neben seiner Lehre die Matura am Wifi gemacht, danach berufsbegleitend Wirtschaft im Bachelor und Master studiert und arbeitet jetzt als Controller im Finanzbereich eines großen Konzerns in Salzburg. "Bei unseren Mentoren ist querbeet alles dabei", sagt Vanessa Eberle, die den Standort des Vereins "Sindbad - Mentoring für Jugendliche" in Salzburg zusammen mit Nedžad Moćević gegründet hat. So stellen sich Lehrerinnen, Selbstständige aus der Wirtschaft und Mitarbeiter vom Land Salzburg zur Verfügung, um Jugendlichen aus bildungsbenachteiligten Schichten als Mentoren zur Seite zu stehen. Sie bauen mit ihnen eine Beziehung auf und helfen ihnen dabei, nach der Pflichtschule einen guten Einstieg in das Berufsleben zu schaffen. Das Ziel von Sindbad ist, durch präventive Arbeit und Unterstützung zu verhindern, dass Ausbildungen abgebrochen werden und Arbeitslosigkeit eintritt.

Kommunikationstraining für die Mentoren

Daher haben sich am Freitag 10 der 20 Mentoren im Palais Neustein zum gegenseitigen Kennenlernen getroffen. Es wurde über das Bildungssystem in Österreich gesprochen, erklärt, was es heißt, eine Beziehung zu Jugendlichen aufzubauen, und die Tätigkeiten als Mentoren besprochen. Ein Mal im Monat werden die Mentoren zukünftig an einem Modul teilnehmen, wo sie in Führungskompetenz geschult werden und ein Kommunikationstraining erhalten. Ein bis zwei Mal pro Monat sind Treffen mit den Mentees vorgesehen, bei denen Kaffee getrunken oder FIFA gezockt werden könne, erklärt Vanessa Eberle. "Die Treffen können je nach Interessen gestaltet werden."

Tarik Mete, Gründer und Geschäftsführer des Lernzentrums "Lernprofi", war am Freitag als Speaker zu Gast und sprach darüber, wie wichtig es als Jugendlicher sei, eine Person zur Seite zu haben, die einen unterstütze. Außerdem ging er auf das Scheitern ein. In der Gesellschaft gelten Fehler als etwas Schlechtes. Dabei sei der einzige Fehler, den man machen könne, aus seinen Fehlern nicht zu lernen. Nach dem Vortrag standen verschiedene Workshops und das Teambuilding der Mentoren untereinander auf dem Programm. Wegen Corona konnte das persönliche Kennenlernen mit den Mentees nicht stattfinden. Bis Ende Dezember wird daher ein Matching gemacht, bei dem sich die Mentees ihre Mentoren virtuell aussuchen können. Die Mentoren reichen kurze Handyvideos ein und stellen sich darin vor. Coronabedingt müssten die ersten Treffen virtuell stattfinden, sagt Eberle. Durch virtuelle Panic Rooms versuche man aber, die Gespräche lustig zu gestalten und so zum erfolgreichen Teambuilding beizutragen. Im April soll ein zweiter Staffellauf stattfinden, für den schon 20 Mentoren zur Verfügung stehen. "Unser kurzfristiges Ziel ist es, bis November 2022 40 Mentoren und Mentees miteinander in Beziehung zu bringen", sagt Vanessa Eberle.

Beziehungen in kritischen Phasen wichtig

Während des Studiums der Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München war Vanessa Eberle als Mentorin für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge tätig. "Dort habe ich erfahren, welchen Unterschied zwischenmenschliche Beziehungen in kritischen Lebensphasen von Jugendlichen machen können." Daher sei es ihr jetzt ein Anliegen, sich für die Jugendlichen einzusetzen und so für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem beizutragen.

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