Arbeitswelt

Führen in der Krise: Optimismus, Empathie und Ehrlichkeit

Die Pandemie ist eine große Herausforderung für Führungskräfte. Optimismus, Empathie und Ehrlichkeit sind laut einem Experten das Wichtigste. Führungskräfte müssen sich selbst, die eigenen Ängste und Sorgen sowie die Wirkung nach außen gut kennen, um sensibel mit den Anliegen der Mitarbeitern umgehen zu können.

Mit offener und ehrlicher Kommunikation mit den Mitarbeitern sowie Ruhe und Optimismus lässt sich eine Krise am besten bewältigen. SN/Photographee.eu - stock.adobe.com
Mit offener und ehrlicher Kommunikation mit den Mitarbeitern sowie Ruhe und Optimismus lässt sich eine Krise am besten bewältigen.

Von einem Tag auf den anderen schien die Welt kopfzustehen: Dass zwischenmenschlicher Kontakt stark eingeschränkt wurde und damit Geschäfte und Restaurants angesichts der Coronapandemie schlagartig schließen mussten, verunsicherte nicht nur Konsumenten - sondern auch jene Menschen, die dafür verantwortlich sind, Unternehmen wirtschaftsfähig zu halten. "Es sind viele negative Emotionen aufgekommen, natürlich auch bei Führungskräften: Gefühle der Hilflosigkeit, Fremdbestimmung, Orientierungslosigkeit sowie Ängste und Sorgen", berichtet Peter Jesacher, der als Coach und Trainer Unternehmen berät. Das Gefühl, nicht zu wissen, wie sich die globale Situation rund um Corona weiterentwickle, stelle eine große Herausforderung dar. Insbesondere auch für Chefs, deren Aufgabe es doch genau sei, vorauszudenken und Entscheidungen für die Zukunft zu fällen. "Eine gute Führung lebt davon, konkrete Ziele zu formulieren und diese anzupeilen - genau das ist aktuell schwierig", erklärt Jesacher.

Mitarbeiter verstehen und Ängste nehmen - auch im Homeoffice

Rasch verlagerte eine Vielzahl an Unternehmen die täglichen Aufgaben der Mitarbeiter mit Homeoffice und Onlinemeetings in deren Zuhause. "Natürlich ist es der große Vorteil der Digitalisierung, dass sowas überhaupt geht. Andererseits haben sich damit auch Herausforderungen aufgetan - für viele Firmen war beispielsweise Homeoffice noch etwas weitestgehend Neues. Einiges gestaltete sich komplizierter als wie gewohnt im Büro." Nicht nur gelte für Führungskräfte aktuell das Homeoffice aller erfolgreich zu gestalten, sondern auch, den sozialen Kontakt zwischen den Mitarbeitern und damit den Zusammenhalt innerhalb des Unternehmens zu erhalten. Für diesen Zusammenhalt sei es entscheidend, die Mitarbeiter zu beruhigen und sie in ihren Ängsten und Sorgen zu sehen und zu verstehen. "Nur ein Unternehmen, das den Menschen in seinem Mitarbeiter sieht und entsprechend sozial agiert, ist aus meiner Sicht eines, das nachhaltigen Erfolg generieren kann." Der Verlust während der Coronapandemie sei ein rein finanzieller - im Fokus behalten sollten Unternehmen jedoch, was sie in dieser Situation gewinnen können, nämlich das Vertrauen der Mitarbeiter. "Beruhigen bedeutet auf keinen Fall Taktik oder gar Täuschung, sondern Ehrlichkeit, Transparenz und eine gesunde Portion Optimismus." Wenn nicht klar sei, ob das Unternehmen im Laufe der Krise alle Angestellten behalten könne, solle es dies genau so mitteilen, "natürlich mit dem Hinweis, dass man jedoch alles versuchen werde, die Krise gemeinsam zu meistern. Schließlich sind loyale, motivierte und gut eingearbeitete Mitarbeiter das wichtigste Kapital eines Unternehmens."

Jetzt ist vor allem eins wichtig: Reden, reden, reden

Entscheidend für eine gute Führung - auch in guten Zeiten, jedoch ganz besonders in einer Krise - sei "self leadership". "Dabei geht es darum, sich selbst, seine Ängste, seine Sorgen und auch die eigene Wirkung nach außen gut zu kennen. Zu wissen, wie ich Ruhe bewahren und empathisch bleiben, wie ich Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten und in die meiner Mitarbeiter behalten und stärken kann." Durch "self leadership" entstehe für die Führungskraft die Möglichkeit, sich für andere Menschen zu öffnen, sensibel mit den Sorgen der Mitarbeiter umzugehen und dabei gleichzeitig klar und offen zu kommunizieren. "Dazu gehört auch, im Fall des Falles ehrlich zu sagen: Ich weiß selbst nicht, wie es aktuell angesichts der Coronapandemie weitergeht, und ich berichte sofort, wenn ich etwas Neues weiß. Damit sieht der Mitarbeiter: Wir sitzen in einem Boot und ich bin nicht allein in meiner Unsicherheit." In der Hauptsache gehe es darum, Vertrauen aufzubauen, "sowohl zu den Mitarbeitern als auch zu den Zulieferern, zu den Banken, zu allen Menschen, die in Verbindung mit dem eigenen Unternehmen stehen. Es gilt angesichts einer Krise ganz klar: reden, reden, reden." Wie positiv sich ehrliche und optimistische Kommunikation auf das Team eines Unternehmens auswirke, habe Jesacher erst kürzlich eindrucksvoll erlebt. Der Besitzer eines großen deutschen Technologieunternehmens, der sonst weitestgehend im Hintergrund agiere, sei nun mit Ruhe und Optimismus an seine Schlüsselführungskräfte herangetreten. "Seit er das getan hat, so haben mir einige Mitarbeiter im Unternehmen erzählt, gibt es wieder Zuversicht und eine viel bessere Stimmung im Betrieb."

Die Möglichkeit der Kurzarbeit, die Unternehmen mit den Pandemiemaßnahmen zur Verfügung gestellt wurde, sei eine sehr gut durchdachte. "Einerseits kann damit Geld gespart werden, was den Mitarbeitern ja letztlich zugutekommt, wenn die Firma so erhalten bleibt. Andererseits signalisiert man ihnen ein starkes psychologisches Zeichen: Sie sind mir wichtig, ich möchte weiter mit Ihnen zusammenarbeiten. Das bedeutet Wertschätzung und eine Bindung des Mitarbeiters ans Unternehmen." Im Endeffekt berge die Pandemie viel Potenzial für Firmen. "Eine Krise bringt bekanntlich Chancen mit sich. Die Digitalisierung ist in vielen Betrieben vorangeschritten - etwas, das auch nach Corona sehr nützlich sein kann. Auch die Motivation und das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter können steigen. Denn durch eine gemeinsam bewältigte Krise wächst man zusammen."

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