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Frauen in Führungspositionen: Die Welt der Finanzen wird weiblich

Frauen in Führungspositionen im Finanzbereich sind nach wie vor eine Rarität. Doch es gibt auch Möglichkeiten als Frau in dieser Branche Fuß zu fassen.

Frauen interessieren sich genauso für Finanzen wie Männer. SN/shutterstock - segey nivens
Frauen interessieren sich genauso für Finanzen wie Männer.

Die Finanzwelt ist nach wie vor eine Männerdomäne, das zeigt ein Blick in die Führungsetagen genauso wie in die Börsesäle. Dennoch: Die Frauen sind auch hier im Finanzbereich im Vormarsch. Doch Finanzen und Frauen, das ist bei vielen Menschen bis heute nicht in den Köpfen angekommen. Clarissa Schuster, Head of Sales bei Swiss Life Select in Österreich, hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. Im SN-Interview verrät sie, weshalb Frauen gerade für den Finanzsektor besonders geeignet sind und welche berufliche Möglichkeiten sich hier für sie ergeben.

Warum ist der Finanzsektor so männlich geprägt? Schuster: Kredit, Versicherung, Bausparer - Geld sei Männersache, heißt es landläufig. Dieses Klischee ist mittlerweile zwar aufgeweicht, aber nach wie vor sind viele Bereiche der Finanzwelt männlich dominiert. Frauen interessieren sich dennoch genauso für Finanzen wie Männer, sie fühlen sich nur bisher vom männlich dominierten Finanzsektor nicht angesprochen und nicht verstanden. Zudem fordern Frauen oft mehr Informationen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Da die Informationsgeber bislang zumeist Männer sind, gibt es da viel Fehlkommunikation. Und als dritter Aspekt kommt hinzu, dass Frauen sich bei vielen Entscheidungen gern auf Empfehlungen verlassen. Da das Thema Finanzen in Österreich nach wie vor ein großes kulturelles Tabu ist - nach dem Motto "Über Geld spricht man nicht!" - , funktionieren Empfehlungen nicht. Und wenn nicht geredet wird, kann auch niemand etwas empfehlen. Dies sind strukturelle Hürden, die wir mit unserer Initiative "Erfolg ist weiblich" durchbrechen möchten.

Sind es nicht die Frauen, die ein gutes Gespür für Geld haben? Meine Erfahrung ist, dass Frauen anders mit Geld umgehen als Männer. Sie sind diejenigen, die das Geld zusammenhalten und weniger dazu neigen, es beim Fenster hinauszuwerfen. Frauen geht es mehr um das Bewahren, um Sicherheit und vorausschauende Planung, Ausgaben werden genauer überdacht. Frauen denken in Geldangelegenheiten etwas strukturierter und organisierter, sie sind deswegen aber nicht weniger risikofreudig.

Passieren da nicht schon in der Schulbildung Fehler, so nach dem Motto: Geld = Mathematik = nichts für Frauen? Jein. Ich glaube, dass in Österreich der Wissensstand im Bereich Finanzen niedrig ist, bei Frauen wie bei Männern. Wir haben letztes Jahr eine Studie zum Finanzwissen in Österreich durchgeführt. Bei der Frage zur Höhe der aktuellen Mindestpension konnten nur 15 Prozent die richtige Antwort geben. Im Gegensatz dazu kennen aber 82 Prozent ihren optimalen Blutdruckwert. Das Ergebnis führt deutlich vor Augen: Die Kompetenz in Finanzfragen muss geschult werden! Wissen zur privaten Vorsorge, Investments etc. ist gerade für Frauen unverzichtbar, um sich im Alter einen entsprechenden Lebensstandard sichern und ein langes, selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Welche Bildungsmöglichkeiten gibt es für Frauen während des Berufslebens? WIFI und BFI bieten immer wieder Kurse zu Vermögensaufbau und -planung an. Diese sind aber nicht speziell an Frauen gerichtet und meistens auch kostenpflichtig. Als Marktführer unter den österreichischen Finanzdienstleistern sehen wir uns aber in der Verantwortung, das Finanzwissen in Österreich zu stärken - vor allem auch das der Frauen. Deshalb haben wir die Initiative "Erfolg ist weiblich" gegründet. Wir bieten hier spezielle und kostenlose Seminare für Frauen an. Mit der Initiative möchten wir erreichen, dass jede Frau in Österreich eigenständig die für sie richtigen finanziellen Entscheidungen treffen kann. Damit sichert sie ihre soziale und wirtschaftliche Teilhabe an der Gesellschaft. Das zentrale Element von "Erfolg ist weiblich" ist eine Event-Plattform für Frauen, die sich offen über alle Fragen zum Thema Finanzen austauschen wollen. Die Themen reichen von weiblicher Selbstbestimmung über Karriereziele bis hin zu Investmentthemen. Alle Fragen dürfen und sollen auf den Tisch kommen.

Die beruflichen Chancen für Frauen im Finanzsektor werden gern auf "Teilzeit" und "Selbstständigkeit" verkürzt. Warum gibt es nicht ein viel breiteres Angebot? Die Gründe für diesen Angebotsmangel sind vielfältig. Kurz gefasst sind das meiner Meinung nach: Erstens wissen viele Frauen zu wenig oder gar nichts von den Karrierechancen im Finanzsektor, zum Beispiel als Vertriebsmitarbeiterin. Oft fehlt ganz einfach jemand, der auf neue Karriereoptionen aufmerksam macht, die für Frauen wie geschaffen sind, an die sie aber nicht sofort denken. Damit zusammenhängend stehen auch die vielen Mythen, die sich um den Vertrieb ranken und die unhinterfragt akzeptiert werden. So glauben viele, dass sich eine Vertriebstätigkeit für Frauen mit Familie und Kindern nicht vereinbaren lässt. Also bewerben sich diese Frauen erst gar nicht. Schade, denn abhängig vom Zuständigkeitsgebiet gibt es viele unterschiedliche Positionen, auf die frau sich gezielt bewerben kann, weil sie zu ihrer individuellen Situation passen. Vertrieb und Familie sind durchaus vereinbar, der beste Beweis bin ich selbst und viele unserer sehr erfolgreichen Finanzberaterinnen!

Wie schaut es mit den Aufstiegsmöglichkeiten in den Firmen aus? Bankdirektorinnen sind ja auch noch immer eine Ausnahme. Financial Planner - und damit auch Finanzberaterinnen - sind etwa bei uns hoch gefragt. Mit einer Kombination aus akademischer Ausbildung und Berufserfahrung haben Frauen die gleichen, sehr guten Aussichten auf eine Führungsposition wie Männer. Wer ein Faible für Finanzen hat, aber auch Spaß an der Arbeit mit Menschen, kann momentan in der Finanzbranche viel bewegen.

 So gibt es bereits einige Frauen, die eine beeindruckende Karriere bei Swiss Life Select hingelegt haben. Mit Familie stehen sie vor ähnlichen Hürden wie in anderen Branchen, sie lassen sich allerdings auch gut meistern. Mittlerweile ändert sich das Bild von Führung, und das kommt Frauen mit ihrem eher kooperativen Führungsstil entgegen. Wer sich also mit den sich wandelnden Anforderungen in der Finanzbranche auseinandersetzt, offen für neue Ideen ist und ein Unternehmen sucht, welches Diversity wirklich lebt, hat gute Chancen auf einen spannenden Karriereweg.

Sind die Jobs in der Finanzbranche nicht durch die Digitalisierung gefährdet? Selbst Beratung erfolgt ja schon über Avatars. Erst kürzlich wurden in einem österreichischen Wirtschaftsmagazin die Jobs mit dem größten Zukunftspotenzial publiziert: Darunter findet sich auch der Job des Finanzberaters! Warum? Ganz einfach, der Markt für gesamtheitliche Finanzberatung hat ein immenses Wachstumspotenzial. Durch die Digitalisierung und das vergrößerte Informationsangebot im Finanzbereich werden die Bürger zusätzlich verunsichert. Diese Themen sowie die Größe und die Komplexität des Finanzmarkts machen es den Laien unmöglich, den Überblick zu behalten. Sie brauchen einen Spezialisten mit Durchblick und ganzheitlichem Know-how, der alle Angebote auf persönliche Bedürfnisse abstimmt. Die Digitalisierung ist für die Finanzberater und für das Unternehmen selbst eine große Chance. Die Menschen streben nach größerer Bewegungsfreiheit. Das heißt: Eine große Auswahl an Dienstleistungen und Produkten sowie flexible Beratungszeiten auf unterschiedlichen Kanälen.

Aufgerufen am 17.07.2019 um 06:37 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/arbeitswelt/frauen-in-fuehrungspositionen-die-welt-der-finanzen-wird-weiblich-64547977

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