Arbeitswelt

Es gilt die Jungen zu gewinnen

Junge Talente wollen Lebensqualität und Mitsprache im Job. In seinem Buch "Zuversicht Zukunft" plädiert Peter Baumgartner für bessere Menschenführung.

Auch inmitten der Digitalisierung bleibt der Mensch zentral.  SN/bild: sn/shutterstock/pathdoc
Auch inmitten der Digitalisierung bleibt der Mensch zentral.

Das österreichische Jammern tut oft gut. Es hilft aber nicht in Richtung Zukunft weiter. Warum Betriebe sogar in der Covid-19-Krise zuversichtlich in die Zukunft blicken sollten? Weil sie es müssen, wenn sie zukunftsfähig bleiben wollen, meint Peter Baumgartner. Krisen, zunehmende Digitalisierung und der Wettbewerb um Fachkräfte erfordern laut dem oberösterreichischen Unternehmensberater massive Veränderungen in der Kultur vieler Unternehmen. In seinem gestern in den Handel gekommenen Buch "Zuversicht Zukunft. Wie Sie den Wandel umarmen und Organisationen zukunftsfähig führen" steht der Mensch im Mittelpunkt. "Erfolgreiche Unternehmensführung ist vorrangig erfolgreiche Menschenführung", sagt der Autor. "Wenn sich Führungskräfte für ihre Mitarbeiter interessieren, beginnen die, für sie zu laufen", so Baumgartner. Der Fokus heute liege viel zu viel auf Technik.

Mitreden lassen ist angesagt

Für altes Denken bleibt immer weniger Platz in den Führungsetagen. Wie aber sieht der neue Führungsstil aus? Das Motto lautet Teilhabe. Gerade angesichts der Digitalisierung seien partizipative Systeme gefragt, so der Unternehmensberater. Beim "geteilten" Leadership wird die Führungsrolle beispielsweise von mehreren Personen getragen. Die Teammitglieder entscheiden aktiv mit und tragen mehr Verantwortung. Das stärkt Teamgeist und Motivation der Gruppe. Die ehemalige Chefin, der ehemalige Chef führt mehr durch Koordinieren statt durch Kontrollieren. Herrscht "Inspirational Leadership", ist das Team angehalten, eigene Wege zu finden. Für die Führungskraft dreht sich alles um die Frage "Warum tun wir, was wir tun?". Diese Frage soll die Belegschaft inspirieren.

Für ihr Engagement im Unternehmen erwarten sich gerade junge Menschen aber mehr als ältere Generationen. Junge Mitarbeiter fühlen sich von Anfang an als vollwertige Mitglieder des Teams. Sie wollen mitreden und mitentscheiden. Das sind sie von zu Hause so gewöhnt. Sie verlangen auch Pausen, da sie wissen, dass sie Spitzenleistungen nur so erreichen. Wie gewinnen nun Führungskräfte die jungen Generationen? Baumgartners Tipps:

  • Gleitzeit-Modelle, Homeoffice-Zeiten,Teilzeitarbeit, berufliche Auslandsaufenthalte oder Auszeiten ermöglichen.
  • Junge Mitarbeitende einbinden und ihnen Redezeit geben.
  • Die persönliche Entfaltung und Weiterentwicklung fördern.
  • Wertschätzende Rückmeldungen für die jungen "Feedback-Junkies" anbieten.
  • Junge Mitarbeitende aufbauen. Diese scheinen meist selbstsicher, sind aber oft innerlich unsicher.
  • Im Einzelgespräch vermitteln, wie die oder der junge Mitarbeitende zum Gesamterfolg beiträgt. Die neuen Generationen seien speziell und nur über persönliche Zugänge erreichbar, so der Unternehmensberater. Für deren Recruiting rät Baumgartner:
  • Auf allen verfügbaren Plattformen auf der Suche nach und offen für Talente sein.
  • Bereits vor Schul- oder Studienabschluss Kontakt suchen.
  • Maßnahmen fördern, die den Ausgleich zwischen Familie und Beruf erleichtern.
  • Möglichst nahe an der Lebenswelt und an der Kultur der Jungen sein.

Letzteres heißt unter Umständen auch, den Kleidungsstil im Unternehmen nicht mehr strikt vorzuschreiben. Internationale Großunternehmen wie Goldman Sachs oder Google ziehen auch damit junge Fachkräfte an. Anstelle von Hierarchie und Autorität stellt Peter Baumgartner das Miteinander im Betrieb in den Vordergrund: "Wir erleben heute vier Generationen am Arbeitsplatz - die Babyboomer und die Generationen X, Y und Z. Jede davon hat ihre Stärken und Schwächen. Diese gilt es im Unternehmen vorteilhaft zu vereinen."

Führung bleibt analog

Führung sei letztlich immer analog. Doch im Kommunikationszeitalter herrscht bekanntlich ein Mangel an zwischenmenschlicher Kommunikation. Statt E-Mails und SMS täten wieder mehr Gesichter, Stimmen und Persönlichkeiten gut - oder ein Lächeln im Gesicht des Gegenübers. Neben Kommunikation sollten Führungskräfte auch Vertrauen wieder hochhalten, meint Baumgartner. Der Digitalisierungshype werde zurückgehen und in der Arbeitswelt wieder mehr geschätzt, was zwischenmenschlich geschehe. Der Unternehmensberater bringt es so auf den Punkt: "Menschen ignorieren Organisationen, die Menschen ignorieren."

Neben den Soft Skills dürften aber die wirtschaftlichen Zahlen (Reserven, Verbindlichkeiten) nie aus den Augen gelassen werden, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein. Die ersten Monate der Covid-19-Krise hätten gezeigt, dass viele Unternehmen ihre Zahlen offensichtlich seit Langem nicht im Griff gehabt hätten.

Peter Baumgartner: "Zuversicht Zukunft. Wie Sie den Wandel umarmen und Organisationen zukunftsfähig führen", Colorama-Business-Verlag, ISBN: 978-3-903011-58-8.

Quelle: SN

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