Arbeitswelt

Drei Kinder und (eine) Karriere

Beate Kälz ist Chemikerin, Werksdirektorin und Mama von Drillingen. Nicht nur sie hat Top-Karriere mit Nachwuchs gemacht.

Den Karriereweg nicht zu verlassen ist für junge Mütter eine große Herausforderung. SN/Sauerlandpics - stock.adobe.com
Den Karriereweg nicht zu verlassen ist für junge Mütter eine große Herausforderung.

Als Beate Kälz, 49, mit 32 Jahren Mutter von Drillingen wurde, leitete sie das analytische Labor der Pharmafirma Sanochemia in Neufeld an der Leitha. Sie führte ein Team von 30 Mitarbeitern, musste aber aufgrund ihrer Risikoschwangerschaft ihren Job sechs Monate vor der Geburt der Kinder ad acta legen. "Das war mein erster Pensionsschock", sagt sie. "Von sehr beschäftigt und mitten im Leben zu viel Ruhe, um den Kindern nicht zu schaden." Ein Karriereknick schien für die Chemikerin programmiert. Nach zweijähriger Karenz kehrte Kälz ins Unternehmen zurück, bekam aber ihre alte Stelle nicht zurück. "Ich war enttäuscht, weil mir nicht zugetraut wurde, da weiterzuarbeiten, wo ich aufgehört hatte." Von da an mit der Koordination von Projekten beauftragt, war Kälz fest entschlossen, ihre eigentliche Aufgabe zurückzuerlangen, startete mit 20 Stunden, steigerte auf 30 und kehrte bald in Vollzeit zurück. "Zehn Jahre halbtags zu arbeiten wäre nicht gegangen."

Struktur und gutes Management zwingend notwendig

Was blieb, war die Vierfachbelastung und die Herausforderung, drei Kinder und einen anspruchsvollen Job unter einen Hut zu bringen. "Mutter zu sein ist eine große Aufgabe. Ich wusste, dass es bei einer falschen Entscheidung keine Möglichkeit zur Korrektur gibt." Die erste Erkenntnis, die Kälz gewann: es drei Kindern nicht gleichzeitig recht machen zu können. Fest stand aber auch, dass die Jungmutter durch Anerkennung im Job Energie für zu Hause schöpfte. "Ich habe es genossen, mich in der Firma auf eine Sache konzentrieren zu können." Ihre Eltern besaßen eine Fleischerei. Das Gefühl, unter deren Selbstständigkeit zu leiden, hatte Kälz aber nie. "Die Zeit, die sie sich für uns genommen haben, haben sie sich bewusst genommen." Auch ihre Ärztin riet ihr schon während der Schwangerschaft, sich Zeit für sich zu nehmen, um die Mehrfachbelastung zu schaffen. Auf Gesellschaftliches musste Kälz verzichten, stürzte sich aber in die Arbeit. "Arbeit ist für mich kein Muss, sondern ich mache es sehr gern." Dass ihre Kinder nicht zu kurz kamen, verdankt sie Struktur und gutem Management. Es half auch, dass Sanochemia nur fünf Kilometer vom Wohnort der Familie entfernt liegt. "So konnte ich im Notfall schnell bei den Kindern sein." Die Drillingsmutter hatte von Anfang an jemanden, der sie mit den Kindern unterstützte, dazu kamen ihre Eltern, zwei Schwestern und ihr Mann, der als Chemiker seine Stunden reduzierte. "Ich hätte meine Kinder nie fremdbetreuen lassen. Wenn ich um vier Uhr früh auf Dienstreise gehen musste, hat meine Mutter die Kinder in den Kindergarten gebracht."

„Zehn Jahre halbtags arbeiten wäre nicht gegangen.“ Beate Kälz, Werksdirektorin Sanochemia SN/martin fuchshuber
„Zehn Jahre halbtags arbeiten wäre nicht gegangen.“ Beate Kälz, Werksdirektorin Sanochemia

Dass Kälz heute als Werkstattleiterin Chefin von 130 Mitarbeitern ist, hat sie vor allem Taten zu verdanken. "Ich habe mich umso mehr engagiert und gezeigt, dass ich es ernst meine." Kritik dafür kam nicht von Kollegen, sondern eher von Kolleginnen. "Nur weil andere nach acht Stunden müde sind, muss das nicht für mich gelten. Ich war auch nie so anmaßend, zu sagen, dass es zu wenig ist, nur zu Hause bei den Kindern zu sein." Die schiefen Blicke, wenn sie erst fünf Minuten vor Schluss im Kindergarten ankam, hat Kälz mittlerweile verschmerzt. Ihre drei 16-Jährigen gehen alle in maturaführende Schulen, Streit gibt es nur, wenn es darum geht, wer mit der Mama lernen darf. Dann schafft es Beate Kälz innerhalb von fünf Minuten, ihre Arbeit zu vergessen. "Wenn drei gleichzeitig etwas von dir wollen, kannst du abschalten."

Erfahrungsbericht einer Führungskraft

Etwas anders gestaltete sich das Thema Kind und Karriere für die 50-jährige Isolde Stieg. Als sie mit 35 Jahren in Karenz ging, hatte die studierte Wirtschaftspädagogin bereits mehr als ein Jahrzehnt Führungserfahrung gesammelt und leitete die Geschicke eines großen Gesundheitsunternehmens - zu unflexibel für das neue Leben mit Kind. Als Tochter Daria neun Monate alt war und sie Beratungsanfragen von Firmen bekam, entschloss sich Stieg zur Selbstständigkeit. "Ich dachte mir, dass diese Flexibilität zu meiner Lebensphase passt." Als die Tiroler Versicherung, eine der Firmen, die Stieg beriet, sie trotz Baby einstellen wollte, nahm sie an. Walter Schieferer und Franz Mair, längstdienendes Vorstandsduo in Österreichs Versicherungslandschaft, beobachteten die junge Mutter anfangs mit Vertrauensvorschuss, Stiegs Message, 70 Prozent zu arbeiten, aber 100 Prozent zu geben, kam aber an. Sie bekam die Prokura verliehen und übernahm den Bereich Controlling und Rechnungswesen. Dabei setzte sie vor allem auf Teamwork und die Stärken ihrer Mitarbeiter und ging mit Organisationstalent, Gelassenheit und Spontanität an die Aufgabe heran. Dass sie weniger Zeit für ihre Führungsaufgabe hatte, sieht die Managerin bis heute nicht als Nachteil, sondern als Gewinn. "Man konzentriert sich auf das Wesentliche und schenkt den Mitarbeitern Vertrauen, ihren Job gut zu machen." Das hat sich offenbar bewährt. Mit 1. Juni 2021 wurde Stieg zur Vorstandsdirektorin ernannt. Insgesamt 352 Mitarbeiter, darunter neun weibliche Führungskräfte, gehören zu ihrem Team. Gleitzeit steht ebenso an der Tagesordnung wie das Ausschreiben aller Stellen in Voll- und Teilzeit. Je nach Lebensphase, wie während einer zusätzlichen Ausbildung oder der Pflege eines Angehörigen, dürfen die Mitarbeiter wählen, wie viele Stunden sie arbeiten wollen. Stieg, 50, deren Tochter mittlerweile 15 ist, arbeitet längst wieder in Vollzeit. Dass sie Karriere und Kind vereinbaren konnte, führt sie auf ein gutes privates Netzwerk, geeignete Kinderbetreuungsstätten und die Erkenntnis zurück, nicht alles selbst machen zu können. "Es hat nicht an meinem Ego gekratzt, dass ich mir im Haushalt habe helfen lassen. Da habe ich lieber die Zeit mit meiner Familie verbracht."

„Ich habe mir für mein Kind eine Leihoma organisiert.“ Elisabeth Zahetner, Abteilungsleiterin, WKO SN/ruiz cruz/nadine studeny photography
„Ich habe mir für mein Kind eine Leihoma organisiert.“ Elisabeth Zahetner, Abteilungsleiterin, WKO

Elisabeth Zehetner, Leiterin der Abteilung Zielgruppenmanagement in der Wirtschaftskammer Österreich und im Jahr 2010 "Geburtshelferin" des Programms "Zukunft.Frauen", das Frauen in Führungsfunktionen auf dem Weg ins Top-Management, in den Vorstand oder Aufsichtsrat mit Weiterbildung und einem starken Netzwerk ausrüstet, weiß, wie wichtig Kinderbetreuung ist. Selbst Mutter einer siebenjährigen Tochter, kehrte sie gleich nach dem Mutterschutz in ihren Job als Abteilungsleiterin mit 20 Mitarbeitern zurück. Als Alleinerziehende, deren Eltern in Bad Ischl leben, organisierte sie sich an ihrem Wohnort Mauerbach eine "Leihoma". "Und es geht darum, eine gute Tagesbetreuung für sein Kind zu finden. Keine Aufbewahrungsstätte, sondern einen Platz, wo es gut aufgehoben ist."

Rechtsanspruch für Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr gefordert

Was Frühförderung von Kindern bewirken kann, hat eine aktuelle Studie der Julius Raab Stiftung und EcoAustria ergeben. Verglichen wurden 29 Länder (EU-27, Schweiz und Norwegen) bei den Themen Kinderbetreuung, Beschäftigungsquote von Frauen sowie Frauenbild in der Gesellschaft. Während in Dänemark 66 Prozent der unter Dreijährigen betreut werden, sind es in Österreich laut Eurostat nur 23 Prozent. Die Studie ergab, dass Kinder, die von klein auf Betreuungsangebote genießen, in Zukunft ein besseres Bildungsniveau, ein höheres Einkommen und bessere Gesundheit erreichen. Deshalb fordert die Bundesvorsitzende von "Frau in der Wirtschaft", Martha Schultz, sogar einen Rechtsanspruch für Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr.

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