Arbeitswelt

Das Urlaubsziel ist Privatsache

Muss ich sagen, wo ich hinfahre oder wo ich gewesen bin? Beschäftigte sind unsicher, was sie über ihren Sommerurlaub preisgeben müssen. In der Covid-19-Krise fühlen sich viele unter Druck gesetzt.

In Kroatien (im Bild Rovinj) zu urlauben ist laut Arbeitsrecht derzeit in Ordnung.  SN/shutterstock/rolf e. staerk
In Kroatien (im Bild Rovinj) zu urlauben ist laut Arbeitsrecht derzeit in Ordnung.

"Wohin fahren Sie denn auf Urlaub?" oder "Waren Sie am Meer?": Was üblicherweise ein harmloser Small Talk ist, löst im diesjährigen Ausnahmesommer bei vielen Beschäftigten gemischte Gefühle aus. "Muss ich sagen, wo ich hinfahre oder wo ich gewesen bin?", fragten in den vergangenen Wochen Hunderte bei der Arbeiterkammer Salzburg (AK) nach. Dort versucht man zu beruhigen. Wer die aktuellen Informationen beachtet, hat nach Ansicht der Arbeitsrechtsberater nichts zu befürchten. Außer die Krise bringt Änderungen mit sofortiger Wirkung wie die am Dienstag verkündeten und seit Freitag geltenden verschärften Einreiseregeln für den Westbalkan.

Zur Frage nach dem Urlaubsziel ist die Antwort laut Arbeitsrecht eindeutig. AK-Präsident Peter Eder betont: "Arbeitnehmer müssen ihren Arbeitgebern definitiv nicht sagen, in welchem Land sie Urlaub machen oder Urlaub gemacht haben. Das fällt in die Privatsphäre." In einigen Salzburger Betrieben übten zuletzt Geschäftsleitungen Druck auf die Beschäftigten aus. Entweder wurden Beschäftigte konkret wegen der Pandemie nach ihrem Urlaubsziel gefragt oder mit Warnungen verunsichert. Eder: "Branchenunabhängig warnen manche Betriebe pauschal mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen, wenn man auf Urlaub fährt."

Reisewarnungen beachten: Kein Entgeltverlust bis Warnstufe 4

Solche Warnungen schießen aus Sicht der AK über das Ziel hinaus. Beschäftigte könnten sich auf Reisefreiheit und Eigenverantwortung berufen. Auf Nummer sicher geht, wer die aktuellen Reisewarnungen und Einreisebestimmungen beachtet. Auch gilt es, am Urlaubsziel die Regeln, die vor Ort gelten, wie Abstand oder Maskenpflicht zu beachten. Die Beweislast für fahrlässiges Verhalten von Beschäftigten in deren Urlaub liegt beim Arbeitgeber.

Unterschiedlich wirken sich die Reisewarnstufen (Sicherheitsstufe 1 bis 6) aus. Manche Unternehmen stellen den Verlust des Arbeitsentgelts pauschal in den Raum, wenn Beschäftigte in Ländern urlauben, für die solch eine Warnung vorliegt. Laut AK fehlt dafür die arbeitsrechtliche Grundlage. Demnach entfällt bis zur Reisewarnstufe 4 die Entgeltfortzahlung im Krankheits- oder Quarantänefall nicht. Krankheit und Quarantäne sind kein Entlassungsgrund. Einen Covid-19-Test kann der Arbeitgeber nur auf freiwilliger Basis mit dem Arbeitnehmer vereinbaren, muss ihn aber bezahlen.

Reicht ein negativer Covid-19-Test?

Nach Italien oder Kroatien können Beschäftigte laut AK derzeit mit ruhigem Gewissen fahren. Darauf weist Arbeitsrecht-Leiter Heimo Typplt hin, den die SN im Auto auf der Urlaubsfahrt an den Gardasee erreichten. Typplt präzisiert: "Sofern beim Urlaubsantritt maximal Reisewarnstufe 4 gilt, habe ich als Arbeitnehmer kein Verschulden. Auch dann nicht, wenn es im Urlaub plötzlich einen lokalen Covid-19-Ausbruch gibt."

Strenger sind die Regeln bei Urlauben in Ländern mit höheren Sicherheitsstufen. Typplt: "Wenn in dem Land bei Urlaubsantritt die Warnstufe 5 oder 6 gilt und ich mich mit Covid-19 anstecke oder nach dem Urlaub in Quarantäne muss, verliere ich den Entgeltanspruch für die Zeit der Quarantäne." Bisher konnten Betroffene die entgeltlose Zeit verkürzen, wenn sie einen negativen Covid-19-Test vorlegen und dadurch gleich wieder arbeiten konnten. Seit Freitag aber entfällt diese Möglichkeit. Besonders stark trifft das auch in Salzburg Tausende Beschäftigte mit Wurzeln am Westbalkan. Viele von ihnen besuchen im Sommer dort ihre Familien. Wer ab jetzt von dort nach Österreich heimreist, muss einen negativen Covid-19-Test vorlegen und 14 Tage in Heimquarantäne verbringen. Zahlreiche suchen bei der AK Rat, schildert Arbeitsrechtsreferent Peter Eckel: "Die betroffenen Dienstnehmer bekommen für die 14 Tage kein Entgelt, das ist für viele ein Problem."

Quelle: SN

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