Arbeitswelt

Corona erhöht Druck auf Frauen

Das Frauengesundheitszentrum berät Frauen, damit sie den krisenbedingten Spagat Beruf - Familie schaffen. Aktuell sind berufstätige Mütter noch mehr gefordert als sonst. Eine Expertin hat fünf Tipps parat.

Erwerbstätige Mütter müssen jetzt besonders auf ihre Grenzen achten.  SN/istockphoto
Erwerbstätige Mütter müssen jetzt besonders auf ihre Grenzen achten.

Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren, brauchen in der Coronakrise mehr denn je gute Beratungsangebote. Eines startet ab sofort das Frauengesundheitszentrum Salzburg (FGZ). Kostenlos können hier Frauen mit Expertinnen reden. Anstelle der gewohnten persönlichen Termine wird telefoniert oder über Skype Kontakt aufgenommen.

Frauen im Corona-Alltag

Ziel ist es, dass die Frauen gesund bleiben, körperlich wie auch psychisch. "Wenn die Frauen zusammenklappen, kippt das ganze System", bringt es FGZ-Geschäftsführerin Aline Halhuber, derzeit im Homeoffice, auf den Punkt. Die Pandemie setzt gerade berufstätige Mütter, ganz besonders alleinerziehende, vielfach unter Druck. Ob in systemerhaltenden Berufen wie Kassierin, Pflegerin oder als Büroangestellte im Homeoffice: "Diese Frauen müssen neben der gestiegenen Arbeitsbelastung oder den wirtschaftlichen Sorgen viel ausgleichen. Alle Aufgaben, die sie gut an außerhäusliche Kräfte delegiert hatten, müssen jetzt wieder sie machen, sofern die Väter nicht die Hälfte übernehmen", sagt Halhuber. Hunderttausende Mütter müssen ihre Kinder wieder komplett zu Hause betreuen oder als Lehrerinnen zu Hause einspringen - und nebenbei im Homeoffice arbeiten, Essen einkaufen, Mittagessen kochen und die Familie bei Laune halten. Frauen sind besonders gefährdet, mit den außergewöhnlichen Belastungen über ihre Grenzen zu gehen oder dafür, dass ihre Grenzen verletzt werden.
Sich seine Sorgen mit einer Freundin beim Kaffee von der Seele zu reden, hilft normalerweise - ist jetzt aber wegen der Ausgangsbeschränkungen nicht möglich. "Gleichzeitig steigt der Druck, Leistungen im Homeoffice zu erbringen", so Halhuber. Keiner sieht, was man arbeitet. Viele Unternehmer lehnen Homeoffice daher schlichtweg ab. Dabei, so Halhuber, sei es psychisch eine größere Leistung, zu Hause zu arbeiten als am Büroarbeitsplatz.

Was können nun Frauen tun, um den Spagat zwischen Beruf und Familie in der Krisenzeit gesund zu schaffen? Aline Halhuber hat auf SN-Anfrage fünf Tipps parat.

Tipp 1: Den Tag strukturieren

Struktur gibt in der Krise Halt. Der ist umso wichtiger, wenn alles andere bröckelt. Aline Halhuber: "Wenn ich den Tag plane und sein Ende, ist schon viel gewonnen." Frauen sollten nicht nach dem Motto arbeiten: "Ich kann ja bis in die Nacht arbeiten."

Tipp 2: Auf erledigte Arbeit hinweisen

Was die Legitimität von Homeoffice angeht, haben Frauen nach Halhubers Ansicht einen schweren Stand: "Wir können es so schlecht, auf die von uns erbrachten Leistungen hinzuweisen." Umso mehr gelte das für daheim erbrachte Arbeit. "Schrei Kikeriki, wenn du ein Ei legst", empfiehlt die Expertin als Motto im Berufsalltag. Das Motto ist der Titel eines neuen Buchs von Ingeborg Rauchberger (Börsen-Medien-Verlag). Die österreichische Autorin schlüsselt darin auf, wie sich Frauen im Beruf besser verkaufen können. "Dieses Buch sollten Frauen gerade jetzt lesen", so Halhuber. Wer im stillen Kämmerchen arbeite, müsse dafür sorgen, dass die Kolleginnen und Kollegen deren Arbeit sehen.

Büroangestellte können dazu am Tagesende ein E-Mail schreiben, in dem sie schildern: Das habe ich gemacht, das habe ich erledigt, das ist mir aufgefallen, das und das war schwierig. So machen Frauen im Homeoffice die von ihnen erledigte Arbeit für sich und andere belegbar. Wenn in Zukunft die Frage auftaucht: "Was hast du denn im Homeoffice gemacht?", geben die E-Mails klare Auskunft. Die eigene Arbeit auf diese Weise zu dokumentieren kann auch eine gewisse Kultur für sich selbst und das Team werden. Und zumindest ein Stück weit die fehlende Bürogemeinschaft, den Austausch und das Feedback dort kompensieren.

Tipp 3: Auf seine Grenzen achten

Die Selbstbestimmung der Frauen darf jetzt nicht über Bord gehen, betont die Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums. Berufstätige Frauen müssten jetzt umso mehr auf ihre eigenen Grenzen achten. Wenn die Kinder "zu viel" werden, müssen sie sich einmal eine Stunde lang an den Vater wenden. In der Zeit kann die Mutter arbeiten oder einfach einmal Musik hören. Jetzt wo Paare so viel zusammen sind, sollten Frauen auch auf ihre sexuelle Selbstbestimmtheit achten. Halhuber: "Das kann auch bedeuten, dass ich meinem Partner Grenzen hinsichtlich seiner sexuellen Bedürfnisse setze."

Tipp 4: Genügend Schlaf bekommen

Leicht wird seine Bedeutung übersehen, doch gerade in Krisenzeiten ist er extrem wichtig: der Schlaf. Wer jetzt darauf achtet, genügend Schlaf zu kriegen, packt hohe Hürden leichter.

Tipp 5: Mit jemandem reden

Reden hilft. Sei es mit dem Partner oder (vor allem für Singles) mit Freundinnen, Freunden und Verwandten. Jetzt tut es auch gut, Menschen anzurufen, die man lang nicht gehört hat. Ist der Rat von Expertinnen gefragt, stehen die Beraterinnen des Frauengesundheitszentrums Salzburg (Info siehe unten) bereit. Zu bedenken ist: Telefonieren oder Skypen ist anstrengender, als sich persönlich zu unterhalten. Da die Gesprächspartner nicht die Körpersprache des anderen mitbekommen, müssen sie effektiver sprechen. Nach einem Skype-Telefonat hilft es, am Fenster frische Luft zu schnappen oder ein paar Schritte zu machen.

Noch ein Tipp für das Ende jeder Arbeitswoche: Am Wochenende sollte auch das Homeoffice ruhen - es ist Zeit, mit gutem Gewissen nichts zu tun.

Terminvereinbarung für die kostenlosen Telefon-/Skype-Beratungen des Frauengesundheitszentrums Salzburg: Mo.-Fr. von 9-12 Uhr, Mi. von 14-17 Uhr. Tel.: 0662-44 22 55 oder unter: office@fgz-salzburg.at

Quelle: SN

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