Arbeitswelt

Bringen mehr Gesetze in Unternehmen das, was sie sollen?

VW-Diesel- oder Hypo-Alpe-Adria-Skandal: Bei Missständen in Betrieben wird der Ruf nach mehr Regeln laut. Doch: Sind mehr Regeln die Lösung?

Mehr Reglement in Unternehmen nötig? SN/shutterstock/roman motizov
Mehr Reglement in Unternehmen nötig?

"Im internen Überwachungs- und Kontrollsystem eines Unternehmens nehmen die Internen Revisoren eine wichtige Rolle ein", erklärt Anne d'Arcy, Leiterin des Instituts für Corporate Governance an der Wirtschaftsuni Wien: "Die Interne Revision unterstützt die Geschäftsführung in ihrer Kontroll-, Steuerungs- und Lenkungsfunktion, indem sie unternehmensinterne Prozesse auf Effektivität und Effizienz überprüft. Umso wichtiger ist dabei die Objektivität."

Die Wissenschafterin untersuchte, inwiefern die Entscheidungen der Internen Revisoren beeinflusst werden, wenn diese an das Management sowie auch an den Aufsichtsrat berichten und beide Instanzen wiederum vorab unterschiedliche Ziele artikulieren.
In Bezug auf Österreich und ihren Ordnungsrahmen für Unternehmen hat sich der Österreichische Arbeitskreis für Corporate Governance dem Thema angenommen. So verfolgt die aktuelle Fassung dieser freiwilligen Selbstregulierungsmaßnahmen "das Ziel einer verantwortlichen, auf nachhaltige und langfristige Wertschaffung ausgerichteten Leitung und Kontrolle von Gesellschaften und Konzernen." Weiters: "Mit dieser Zielsetzung ist den Interessen aller, deren Wohlergehen mit dem Erfolg des Unternehmens verbunden ist, am besten gedient."

Mehr Objektivität durch mehr Regeln?

D'Arcy und ihr Team stellten sich im Rahmen ihrer Studie die Frage, ob mehr Regeln für ein funktionierendes Überwachungssystem in Unternehmen nötig sind. Ist zum Beispiel eine zusätzliche Berichtslinie der Internen Revision an den Aufsichtsrat sinnvoll?
Um der Fragestellung auf den Grund zu gehen, suchte das Forscherteam ein Deutsches sowie ein Schweizer börsenotiertes Unternehmen auf. In den Betrieben nahmen über 70 Revisoren an zwei Experimenten teil. In zwei Gruppen gesplittet, mussten die Studienteilnehmer für den Konzern realistische Kontrollprozesse beurteilen und vermeintlich überflüssige Kontrollen streichen. Der Unterschied: Eine Gruppe ist von der Leitung auf das Managementziel der Kostenersparnis hingewiesen worden. Der zweiten Truppe wurde gesagt, dass der Aufsichts- beziehungsweise Verwaltungsrat explizit Wert auf ein funktionierendes Kontrollsystem legt.
Das Ergebnis? In der Tat strichen Interne Revisoren mehr Kontrollvorgänge, wenn der Vorgesetzte kurz zuvor an das Kostensparprogramm des Managements erinnerte. "Dieser Effekt ist dann besonders ausgeprägt, wenn die zu beurteilenden Prozesse besonders umfangreich und komplex waren", erläutert die Forscherin: "Die Diskussionen im Anschluss des Experiments wiesen darauf hin, dass das Entscheidungsverhalten unbewusst angepasst wurde."

Die Idee weiterer Gesetze ist also nicht unbedingt die Lösung des Problems. Denn: Es besteht die Gefahr, dass diese Regeln unbeabsichtigt neue Möglichkeiten der Einflussnahme hervorrufen. Die Experimente zeigen auf, dass bei Zielkonflikten die Objektivität nicht immer sichergestellt werden kann. "Unsere Ergebnisse illustrieren eindrücklich, wie ausschlaggebend die gezielte Kommunikation der gewünschten Strategie Entscheidungsverhalten beeinflussen kann", erläutert die Studienautorin.
Ihre Schlussfolgerung? "Gesetzgeber sollten sich bewusst sein, dass eine neue zusätzliche Berichtslinie Zielkonflikte hervorruft. Damit können neben den erwünschten Wirkungen auch unerwünschte Nebeneffekte entstehen."

Aufgerufen am 20.07.2019 um 02:25 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/arbeitswelt/bringen-mehr-gesetze-in-unternehmen-das-was-sie-sollen-69979501

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