Arbeitswelt

Beschäftigte meiden Büros

Gerade große Unternehmen brauchen Argumente, um ihr Personal zurück ins Office zu holen. Arbeiten müssen sie dafür vor allem an der Unternehmenskultur.

Hybride Beschäftigte brauchen echte Anreize, um ins Büro zurückzukehren. SN/Nuthawut - stock.adobe.com
Hybride Beschäftigte brauchen echte Anreize, um ins Büro zurückzukehren.

"Eine wirklich flexible Arbeitswelt entsteht nur durch einen gesunden Mix verschiedener Arbeitsmodelle. Die Arbeit vor Ort im Büro ist ein wesentlicher Bestandteil davon", ist Jeremy Myerson überzeugt. Myerson ist der Direktor der Arbeitsplatzforschungsplattform Worktech Academy, die gerade in Zusammenarbeit mit dem Audio- und Videosystemhersteller Poly eine Studie veröffentlicht hat. Ihr Ergebnis: Hybride Arbeitsformen funktionieren nur dann, wenn Unternehmen zumindest einem Teil der Belegschaft eine Rückkehr ins Büro ermöglichen. Aber das ist gar nicht so einfach, macht der Bericht deutlich: Je größer das Unternehmen, desto langsamer geht die Rückkehr ins Büro vonstatten. In Europa sind knapp 64 Prozent der Beschäftigten nicht bereit, zur Arbeit vor Ort zurückzukehren. Die Gründe sind vielfältig: Sicherheitsbedenken, Pendelzeiten oder die Angst vor Produktivitätsverlust und mangelnder Konzentration.

Unternehmen fehlen die Argumente

"Unser Bericht zeigt: Beschäftigte begegnen der Rückkehr ins Büro vor allem hinsichtlich der Themen Work-Life-Balance und Produktivität vorsichtig: Wieso den weiten Weg auf sich nehmen, um in einem lauten Büro zu arbeiten?", sagt Paul Clark, Senior Vice President bei Poly. "Diese Vorbehalte werden durch die aktuelle Inflation mit steigenden Lebenshaltungskosten und Energiepreisen forciert. Die Finanzlage ist angespannt. Anstatt Geld für Benzin und öffentliche Transportmittel auszugeben, möchten die Menschen dieses Geld lieber anderweitig nutzen."


Unerlässlich: Unternehmenskultur und technologische Aufrüstung

Ausschlaggebend dafür, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer Rückkehr ins Büro zu bewegen, sei die Unternehmenskultur, ist Clark überzeugt: "Kurzfristige Gimmicks wie kostenloser Kaffee und Doughnuts haben ihre Wirkung verloren." Die Beschäftigten müssten einen echten Mehrwert darin sehen, ihre Zeit und ihr Geld für den Weg in die Arbeit zu investieren. Wie das gelingen kann? "Die Unternehmenskultur muss gepflegt und das gesamte Arbeitserlebnis berücksichtigt werden - die Funktionalität der Räume, die Technologie dahinter, die kulturellen Aspekte." Unternehmen müssten außerdem Technologien implementieren, die es Beschäftigten ermöglichen, von überall zu arbeiten. Derzeit haben weniger als drei von zehn Betrieben neue Umgebungen für die Zusammenarbeit mittels Videokonferenztechnik geschaffen oder bestehende Besprechungsräume für hybrides Arbeiten umgerüstet. Wichtig für bessere, gesündere und produktivere Arbeitsbedingungen sei außerdem die Zusammenarbeit über Funktionen und Teams hinaus.

Poly und die Worktech Academy wollen mit ihren Untersuchungen Unternehmen neue Denkansätze näherbringen, die Herausforderungen auf dem Weg zu einem hybriden Arbeitsmodell aufzeigen, neue Chancen und Möglichkeiten offenlegen sowie die wichtigsten Bausteine zur erfolgreichen Umsetzung hybrider Arbeitsmodelle sichtbar machen. Einer der zentralen Punkte dabei ist die Implementierung der richtigen Strategie für die Rückkehr ins Büro.

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