Arbeitswelt

Arbeiten ohne Angst

In der Pandemie greifen viele Chefleute wieder auf einen autoritären Führungsstil zurück. Der lähmt die Motivation der Mitarbeiter. Wo dagegen angstfrei gearbeitet wird, floriert das Geschäft.

Wo Mitarbeiter lieber nichts sagen, weil ihre Ideen zurückgewiesen werden, sinkt die Arbeitsmotivation.  SN/shutterstock/fotogrin
Wo Mitarbeiter lieber nichts sagen, weil ihre Ideen zurückgewiesen werden, sinkt die Arbeitsmotivation.

"Du rüttelst an den Grundfesten unserer Unternehmensphilosophie!" So kanzelte die Chefetage eines Salzburger Hotels eine Mitarbeiterin ab. Die Frau hatte immer wieder Vorschläge gemacht, wie man den Spabereich optimieren könnte. Jedes Mal stieß sie auf taube Ohren. Als man ihr ihr Engagement so negativ auslegte, verließ die Mitarbeiterin das Hotel. Sie machte sich im Bereich Kosmetik erfolgreich selbstständig.

Autoritärer Führungsstil schüchtert Mitarbeiter ein

Das Beispiel ist eines von vielen, das Unternehmensberater Alfred Lugstein in seiner täglichen Praxis erlebt. Das Muster sieht so aus: Mitarbeiter möchten sich einbringen, werden aber nicht ernst genommen, ihre Vorschläge werden generell zurückgewiesen. Oder es wird von oben eine neue Unternehmensphilosophie verordnet, schildert Lugstein ein weiteres Beispiel eines autoritären Führungsstils: Ein Abteilungsleiter im öffentlichen Dienst ordnete mehr Kundenorientierung an, die Mitarbeiter der Abteilung sollten Kunden nicht wie Bittsteller behandeln. Der Leiter selbst verhielt sich nicht wie ein Vorbild und leistete auch keinerlei Überzeugungsarbeit. Bei seinen Mitarbeitern stieß er auf Unverständnis. Er wurde noch autoritärer. "Es kam nur Chaos heraus. Er fragte mich, warum das nicht funktioniert, und meinte, er habe wohl die falschen Beamten. Dabei lag es mehrheitlich an ihm selbst", so Lugstein. Mangelt es Führungskräften an emotionaler Kompetenz, haben Mitarbeiter oft nichts zu sagen - mit besagten Folgen. Seit Ausbruch der Coronapandemie greifen viele Führungskräfte wieder auf einen autoritären Führungsstil zurück. Lugstein: "Sie wollen die Krise mit starker Hand statt mit Diskussionen bewältigen. Die von vielen vor der Krise gewährten Mitspracherechte der Mitarbeiter bei unternehmerischen Entscheidungen sind vergessen." Vor allem Führungskräfte mit geringer emotionaler Kompetenz suchten stattdessen Schuldige oder gäben Druck nach unten weiter. Oft sei dies eine Form, ihre eigene Angst zu bewältigen, so der Bergheimer Unternehmensberater.

Coaching für Führungskräfte

Lassen sich solche Chefs coachen, merken viele, dass sie aufs Funktionieren gedrillt sind. Lernen sie, wieder bei sich selbst zu sein, können sie besser mit ihren Mitarbeitern umgehen. Letztlich geht es um den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Der steigt, wenn im Arbeitsalltag ein konstruktives, angstfreies Klima herrscht. Mitarbeiter fühlen sich sicher, wenn sie ihre Ideen und Meinungen einbringen können. Erst wenn ein positives Klima der Zusammenarbeit spürbar ist, werden Ziele zu gemeinsamen Zielen. Ein weiterer Vorteil für Unternehmen ist: Mitarbeiter bleiben dort, wo sie erleben, dass ihre eigene Arbeit Wirkung zeigt. "Emotional kompetente Chefleute und ein Leitbild, das Meinungsaustausch fördert, helfen gerade in Krisen", so der Unternehmensberater.

"angstfreies Arbeiten"

Das zeigt ein positives Beispiel aus der Gastroszene. Im Zuge einer Übernahme hatte ein mittelgroßes Salzburger Unternehmen ein Leitbild mit Schwerpunkt "angstfreies Arbeiten" eingeführt. Mitarbeiter wurden motiviert, Meinungen, Ideen und Kritik zu äußern, und bekamen dafür Anerkennung. Viele konnten das anfangs gar nicht glauben. Lugstein: "Der Chef hat es aber durch seine Glaubwürdigkeit geschafft, die Leute hinterm Ofen hervorzuholen." Im Corona-Lockdown musste Personal gehen. Als er wieder aufsperren konnte, suchte der Gastronom wieder Mitarbeiter - kein Leichtes in der Gastronomie. Doch er schaffte es, alle Mitarbeiter zurückzuholen. Lugstein: "Er setzt weiterhin auf angstfreies Arbeiten. Man sieht es am Lächeln der Mitarbeiter."

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