Trainertricks für die Manager

Auch Führungskräfte können von Marcel Koller lernen. Helmut Kaspar von der WU Wien hat acht zentrale Punkte formuliert.
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„EURO, wir kommen.“ Auch Manager brauchen fixe Ziele.
„EURO, wir kommen.“ Auch Manager brauchen fixe Ziele.
SN/sn / adidas

Noch sechs Mal schlafen, dann geht sie los, die EURO 2016 in Frankreich. Mit dabei sind erstmals aus eigener Kraft auch die Österreicher. Ihr Trainer Marcel Koller hat im österreichischen Fußball geschafft, was vor ihm noch keiner zustande gebracht hat: Die österreichische Nationalelf zählt zu den elf besten Mannschaften der Welt. Aber was unterscheidet Marcel Koller von seinen Vorgängern?

Helmut Kasper, wissenschaftlicher Leiter des Executive MBA PGM an der WU Executive Academy und Fußballfan, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Parallelen von Spitzensport und Topmanagement. Er beschreibt acht ganz besondere Führungsstärken von Marcel Koller, die auch in Unternehmen funktionieren.


1
.>Marcel Koller entfacht Emotionen und begeistert>
Hoch motiviert kann nur jemand sein, der wirklich Freude an dem hat, was er macht. Positive Emotionen, Leidenschaft und Begeisterung spornen Menschen zu Höchstleistungen an, nicht Angst, Druck oder gar ständige Kontrollen. Emotionen wirken wie ein Turbo auf die eigene Motivation. Sie beeinflussen Einstellung und Wertehaltungen eines Menschen dauerhaft. Wer das beachtet, seinen Mitarbeitern vertraut und ihnen Verantwortung überträgt, wird mit besonderer Leistungsbereitschaft und Topeinsatz belohnt werden.


2.
>Marcel Koller macht aus Einzelstars ein echtes Team>
Gemeinsam sind wir stark! Koller ist es gelungen, aus lauter Einzelstars ein echtes Team zusammenzuschweißen. Er kennt die Stärken und die Schwächen jedes einzelnen Spielers ganz genau und versteht es, die Mannschaft auf das gemeinsame Ziel einzuschwören. Denn das Ganze ist mehr als die Summe von Einzelleistungen. Was es braucht, ist ein Umfeld, in dem sich die Stärken potenzieren. Genau das hat Koller geschafft. Superstars wie Alaba, Arnautović, Dragović, Fuchs oder Janko stacheln sich regelmäßig zu Höchstleistungen an, weil sie in unterschiedlichen Positionen spielen und den anderen keine Kompetenzen streitig machen. Im Gegenteil, sie ergänzen sich harmonisch. Nur so ist es möglich, dass ausgeprägte Persönlichkeiten gemeinsam an einem Strang ziehen, ohne sich laufend übertreffen zu wollen und in eine hysterische Konkurrenz zu verfallen. Das gilt auch für Firmen: Zu viele "Alphas" im Team können zu Problemen führen. Wenn sie aber in unterschiedlichen Funktionen tätig sind, kann sich das extrem positiv auf die gesamte Performance auswirken.


3
.>Marcel Koller hat eine besondere Ausstrahlung und ist Vorbild>
Charisma ist nicht etwas, das man von vornherein hat, man muss es sich erarbeiten und es wird einem von den Menschen gegeben. Kollers Spieler respektieren ihn nicht nur wegen seiner fachlichen Kompetenz, sondern auch wegen seines selbstbewussten Auftretens. Koller lebt genau das vor, was er sich auch von seinem Team erwartet. Die Mannschaft respektiert ihn dafür und das schafft zusätzlich noch ein tiefes Vertrauensverhältnis. Dieses symbolische Management, das von hoher Fachkompetenz, sicherem Auftreten und einer bodenständigen Art gekennzeichnet ist, macht auch eine Topführungskraft aus.


4
.>Marcel Koller fördert die persönliche Entwicklung und die Kreativität>
Empowerment heißt hier Kollers Zauberwort. Jeder von uns möchte gefordert werden, sich verbessern und gute Leistungen bringen. Wenn uns etwas gelingt und wir auch das entsprechende Feedback bekommen, setzt das eine Eigendynamik in Gang: Je mehr wir voranbringen, desto größer wird unsere Bereitschaft, uns zukünftig noch mehr anzustrengen und uns noch höhere Ziele zu stecken. Der Anspruch an uns selbst steigt erheblich.


5.
>Marcel Koller nimmt sich Zeit für den Einzelnen>
Koller ist Meister darin, auf die individuellen Bedürfnisse seiner Spieler einzugehen. Kaum ein anderer Trainer nimmt sich so viel Zeit für das bilaterale Gespräch. Der Grund: Jeder Spieler hat eine Eigenlogik, er "tickt" anders und möchte individuell "abgeholt" werden. Je mehr man sich im Team auf den Einzelnen fokussiert, desto mehr bekommt man zurück. Der Spieler empfindet das als besondere Wertschätzung und ist noch mehr bereit, alles zu geben. Auch bei Change-Prozessen in Unternehmen ist das Einzelgespräch eines der erfolgreichsten Tools überhaupt, um Mitarbeiter für eine notwendige Veränderung zu sensibilisieren. In der Praxis ist es oft leider so, dass Mitarbeiter von ihren Chefs nur dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn etwas nicht funktioniert. Die Strategie sollte genau umgekehrt sein: Widmen Sie sich gezielt jenen Bereichen, die besonders gut funktionieren. Sie werden sehen, es zahlt sich aus.


6
.>Marcel Koller hat eine klare Vision und trifft Entscheidungen>
Koller weiß, was er will und was er nicht will. Das erlaubt ihm, seinen Spielern klare und gleichzeitig herausfordernde Ziele zu stecken und sie auch dafür zu begeistern. Somit weiß jeder genau, welchen Part er zu spielen hat. Außerdem scheut Koller nicht vor Entscheidungen zurück. Jedes Spiel ist neu, erfordert exakte Vorbereitung, Fleiß und eine neue Strategie. Hier ist es notwendig, schnell zu reagieren. Auch für Manager gilt: Keine Entscheidung zu treffen, ist in jedem Fall ein Fehler. Viele Firmen scheitern deshalb, weil wichtige Entscheidungen unnötig verzögert werden. Deshalb sollten Führungskräfte auch in schwierigen Zeiten Vertrauen in die von ihnen gewählte Strategie haben und diese konsequent verfolgen.


7
.>Marcel Koller setzt auf Transparenz und Kommunikation>
Wenn Koller eine Entscheidung trifft, dann weiß jeder genau, warum er das tut. Das zwischenmenschliche Miteinander ist ihm wichtig, es geht um Glaubwürdigkeit, Authentizität und Respekt. Deshalb bezieht er seine Spieler immer in all seine Entscheidungen ein und nimmt sich viel Zeit, das Warum dahinter zu erklären. Egal ob eine Führungskraft eher den anachronistischen Stil eines "bad cop" oder den Stil eines "good guy" mit den Mitarbeitern fährt, worum es geht, ist die Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen, wobei "bad cops" passé sind. Wissenschaftlich nachweisbar führen Drohungen und Angst à la long zu massivem Leistungsabfall und zum Verlust des Selbstvertrauens der Akteure.



8.
>Marcel Koller und die Spieler sind auf gleicher Augenhöhe >
Koller und seine Spieler sind auf gleicher Augenhöhe. Das ist weder im Sport noch beim Management von Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Es entspricht aber der wechselseitigen Wertschätzung und dem Respekt, die Führungskräfte den Teammitgliedern unbedingt entgegenzubringen haben, wenn sie Spitzenleistungen erwarten. Ohne Sozialromantiker zu sein: Diese entstehen nur durch den interaktiven, kooperativen Umgang und nicht durch einen autoritären, der unweigerlich zu Demotivation und Frustration führt.

Dieser Artikel ist aus der gedruckten Ausgabe der "Salzburger Nachrichten".
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